Wozu brauche ich einen Graufilter?

Graufilter_Fotografie_Langzeitbelichtung_LZB_ND-Filter

 

 

Wozu brauche ich einen Graufilter?

 

Graufilter sind in der Fotografie nicht wegzudenken. Ganz besonders in der Landschaftsfotografie find ich sie sehr wichtig. Du kennst diese tollen Bilder mit dem fließenden Wasser, das so „fluffig“ weich aussieht? Genau dafür brauchst du einen Graufilter.

 

Ein Graufilter, oder auch „ND-Filter“ schluckt das Licht, so dass du länger belichten kannst. Durch diese lange Belichtung sieht dann das Wasser so toll aus.

 

 

 

Canon 6D + Canon 16-35 mm 2.8  | F 13 | 25 s | ISO 160 | 16 mm

 

 

Ich nutze den Filter auch gern, um den Himmel dramatischer zu bekommen. Durch die fließenden Bewegungen sieht das super aus.

Canon 6D + Canon 16-35 mm 2.8  | F 11 | 30 s | ISO 160 | 16 mm

 

 

Es gibt noch einen tollen Trick! Wenn du z.B. den Eifelturm ohne Touristen fotografieren möchtest, schnapp dir dein Stativ, Kamera und einen Graufilter; durch die lange Belichtungszeit verschwinden auch die Menschen! Zumindest die, die in Bewegung sind.

 

 

Hier habe ich mir dies ebenfalls zu Nutze gemacht, allerdings wollte ich wie ein Geist zu sehen sein. Ich habe die Kamera aufs Stativ gestellt, den Auslöser gedrückt, bin zum Stein gelaufen, habe mich hingesetzt und mich nicht bewegt. 30 Sekunden habe ich das Bild belichtet, 20 Sekunden saß ich auf dem Stein.

 

 

Canon 6D + Canon 16-35 mm 2.8  | F 11 | 30 s | ISO 100 | 16 mm

 

Hier siehst du den ganz konkreten Unterschied. Die Bilder sind "out of cam", also das unbearbeitete JPG. Die Verzerrung durch das Weitwinkel würde ich normalerweise retuschieren, ich wollte dir allerdings gern das unbearbeitete Bild zeigen.

Was einem besser gefällt, ist Geschmackssache. Habe des Öfteren schon gehört, dass die Langzeitbelichtung "zu doll bearbeitet" ist, wobei es das gar nicht ist 😄

Bei mir ist es situationsabhängig, was mir besser gefällt. Beziehungsweise hängt es davon ab, was für einen Look ich erreichen möchte.

 

Canon 5DMK3 + Canon 16-35 mm 2.8

| F 11 | 1/200 s | ISO 100 | 16 mm

Canon 5DMK3 + Canon 16-35 mm 2.8

| F 11 | 15 s | ISO 100 | 16 mm


 

Es gibt 2 Arten von Filtern, die Schraubfilter und die Steckfilter. Ich hatte viele Jahre lang die Schraubfilter von Haida - an denen habe ich auch nichts auszusetzen, Preis-Leistungs-Verhältnis ist super! Die schraubt man einfach vorne an das Gewinde des Objektiv.

 

Allerdings hat mich die Schrauberei irgendwann genervt. Wenn man bei 3 Grad an den Klippen steht wo es wirklich super windig ist und du dann um den Bildschnitt festzulegen und zum Fokussieren immer wieder den Filter ab- und wieder dranschrauben musst, nääää.

 

 

Also sollten Steckfilter her!

Da schraubt man eine viereckige Halterung an das Gewindes des Objektivs und kann dann bis zu drei Filter reinschieben. Mega Praktisch, und das geht auch mit Handschuhen.  Jemand hatte mir die Formatt-Filter empfohlen.

Ich habe allerdings den Fehler gemacht und das allergünstigste Set gekauft. Wie immer gilt auch bei den Filtern: Wer billig kauft, kauft zweimal.

Es gibt bestimmt auch gute von Formatt, aber von meinen bin ich überhaupt nicht überzeugt. Ich habe sie extra für unseren Norwegen-Roadtrip gekauft, habe sie auf dem Weg in Dänemark einmal ausprobiert und war super enttäuscht. Nach einem Foto am Strand war das Glas direkt total verschmiert. Meine Schraubfilter habe ich sonst immer mit einem Brillenputztuch gereinigt, hier hat selbst das nicht wirklich was gebracht. Das schlimmste sind allerdings die Verfärbungen, es gibt einen ganz heftigen pink/lila-Farbstich. Meine Schraubfilter haben auch einen minimalen Farbstich verursacht, aber bei weitem nicht in dem Ausmaß.

 

 

Das Bild mit Filter:

Das Bild ohne Filter:


Beide Bilder sind komplett unbearbeitet.

 

Ich habe neben dem Graufilter noch einen Grauverlaufsfilter eingesteckt (über den Grauverlaufsfilter werde ich auch weiter unten eingehen) und das Bild war überhaupt nicht mehr zu gebrauchen.

 Zum Glück hatte ich meine alten Schraubfilter trotzdem eingepackt!

 

 

Zu beachten ist, dass es bei Graufiltern unterschiedliche Stärken gibt, die jeweils unterschiedlich viel Licht schlucken. Die gängigsten Varianten sind ND8, ND64 und ND1000 Filter (manchmal auch als x8, x64 oder x1000 bezeichnet). Die Zahl am Ende gibt Aufschluss über die Stärke. ND64 beispielsweise verlängert die Belichtungszeit um den Faktor 64, ND1000 um den Faktor 1000 usw.

 

Wenn man ein Set mit den 3 Stärken kauft, ist man gut ausgestattet und kann sogar alle Filter miteinander kombinieren.

 

 

 

Tipps für die Verwendung eines Graufilters:

 

1. Stabiles Stativ (ohne Stativ kannst du nicht so lange belichten ohne zu Verwackeln)

 

 

2. Fokussierung auf manuell stellen (meist ein kleiner Schalter am Objektiv selbst) Denn die    Kamera kann oft durch den Graufilter nicht mehr viel erkennen und der Fokus eiert rum

…und nicht erschrecken bei nächster Benutzung der Kamera: ich habe auch schön öfter gedacht, dass das Objektiv kaputt ist, weil ich den Fokus noch auf manuell hatte :-D

 

 

3. Rumprobieren! Ich mache oft einfach mehrere Belichtungen mit anderen Zeiten. Denn am Rechner in groß kann man oft am besten beurteilen, welches das schönste ist

 

 

4. In RAW aufnehmen. Durch den Graufilter gibt es wie oben erwähnt oft einen Farbstich (bei fast allen, außer den ultra teuren).Bei im RAW-Format aufgenommenen Bildern kann man bei der Entwicklung besser den Weißabgleich einstellen und den Farbstich korrigieren. Das ist auch nur ein Klick und nicht besonders aufwändig (wenn es nicht so extrem ist wie bei meinem Bespiel oben)

 

 

5. Beim Kauf von Schraubfiltern immer nach dem Durchmesser des größten Objektives gehen! Denn es gibt Stepup-Ringe, damit kannst du zu große Filter auch auf kleinere Objektive schrauben. Anders herum ist das allerdings nicht möglich.

 

 

 

Und wozu brauche ich nun noch einen Grauverlaufsfilter?

 

Ich glaube dieses Problem kennt wirklich jeder, denn oft (bei den neuen Handys nicht mehr so oft) habe ich mich bei meinem Handy darüber geärgert.

 

Wenn du ein Foto machst, bei dem der Vordergrund super aussieht und gut belichtet ist, ist der Himmel total überbelichtet und ausgebrannt (sprich weiß, keine Zeichnung/Farbe mehr vorhanden).

 

Wenn der Himmel perfekt belichtet ist, ist der Vordergrund viel zu dunkel. Da kann die Kamera noch so teuer sein, das Problem haben sie alle, die einen mehr, die anderen weniger. Im Zweifelsfall, wenn ich keinen Grauverlaufsfilter zur Hand habe, nehme ich das Bild überbelichtet auf, denn bei der Bildbearbeitung lässt sich da oft noch einiges aus den hellen Bereichen rausholen.

 

Hier ein konkretes Beispiel, wieder "out of cam".

1. Aufnahme ohne Filter

2. Aufnahme mit Grauverlaufsfilter (mehr Zeichnung im Himmel)

3. Aufnahme mit Graufilter UND Grauverlaufsfilter

 

 

 

 

Auf unserem Norwegen-Roadtrip hatte ich oft erst den Graufilter vorn drangeschraubt und habe den Einsteck-Grauverlaufsfilter einfach mit den Fingern vor die Linse gehalten. Denn sobald ich einen Schraubfilter drauf habe, kann ich ja das Einschubsystem nicht mehr am Objektiv anbringen. Ging auch so 😉

 

Für unsere nächste Tour werde ich mir allerdings neue Einsteckfilter zulegen. Das ist nämlich super bequem, wenn man 3 Filter gleichzeitig einfach einschieben kann.

 

Bei den Grauverlaufsfiltern bietet es sich auch an, ein Set aus drei Filtern zu kaufen, ich habe die Stärken 0.3, 0.6 und 0.9.

 

 Ich werde berichten, welche es geworden sind und auf unserem nächsten Trip dann natürlich auch ausgiebig testen.

Meine Schraubfilter werde ich allerdings auch wieder einpacken. Nur zur Sicherheit 😜

 

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