Sind die Midges in Schottland wirklich so schlimm?

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Hättest du uns das 2015 gefragt, hätten wir ganz klar NEIN gesagt!

 

Wir waren 2014 und 2015 in Schottland, einmal Ende Mai und einmal im September. Beide Male bei herrlichem Wetter, ich glaube von 14 Tagen hatten wir vielleicht 2 Tage Regen, also ganz untypisch für das Land.

 

Ende Mai 2014 haben wir keine Midge weit und breit gesehen. Ich hatte zwar mal in der Schottland-Gruppe bei Facebook davon gelesen, vor allem das die Biester echt gemein sind, habe dann aber nicht weiter drüber nachgedacht. Musste ich ja auch nicht.

 

Im September 2015 hatten wir unsere erste Begegnung, und zwar an dem "Eas a’ Bhradain" Wasserfall auf Skye. Hier haben wir 2014 schon für ein Foto gehalten, 2015 wollte ich allerdings mal eine andere Perspektive ausprobieren. Mike hatte keine Lust und ist im Auto geblieben – Glück gehabt – denn erstens war der Weg so mega matschig dass ich trotz Gummistiefel kaum vorwärts kam, und wenn man kurz stehen blieb, hatte man direkt diese kleinen fiesen Fliegen, genannt „Culicoides impunctatus“ im Gesicht, die auch noch bissen.

 

Die Flügellänge beträgt 1,4 mm, also wirklich superwinzig. So stand ich also am Fuß des Wasserfalls, packte das Stativ aus und hatte schon kein Bock mehr 😂 Sie schwirrten um mein Gesicht rum, ich hab die Luft angehalten, Kamera aufgebaut, ein Foto gemacht (Langzeitbelichtung von 30 Sekunden!) und direkt wieder Reißaus genommen.

 

Kaum hatte ich den Wasserfall verlassen wurde es auch schon weniger, am Wohnmobil angekommen waren sie verschwunden. Mike fand es natürlich ganz amüsant. 😁

 

 

Das sind die Viecher:

Das Aushalten fürs Foto hat sich gelohnt, oder?

 

 

Am selben Tag waren wir auf der Campsite in Sligachan, denn von dort aus kann man super die Gegend erkunden. Wer uns kennt, weiß, dass wir Campingplätze eigentlich meiden und uns lieber schöne Plätze für die Nacht außerhalb suchen, aber ab und an braucht man doch mal eine Waschmaschine oder eine heiße Dusche 😉

 

Gegen Abend kamen dann auch hier die Midges an…allerdings war das noch recht harmlos – wir saßen draußen und hatten ab und an mal eine herum schwirren sehen. Abends im Wohnmobil hatten wir dann hier und da auch noch mal eine entdeckt und uns gewundert, wo die herkommen. Mittlerweile wissen wir: Die Viecher kommen durch das Fliegengitter durch! Allerdings wird das noch besser, aber davon gleich mehr.

 

Das war dann unsere einzige Midge-Begegnung im Jahr 2015. Dieses Jahr, 2018, ging es endlich wieder in unser Lieblingsland (jaaaa, ich weiß, wir reden öfter mal vom „Lieblingsland“, Dänemark und Norwegen gehören auch dazu 😊).

 

In England angekommen haben wir uns den einen Abend über die furchtbar penetranten Mücken aufgeregt, die uns in Scharen auf der Hunde-Runde verfolgten. Allerdings hat es später nur eine einzige ins Wohnmobil geschafft und der haben wir schnell den Gar aus gemacht 😁

 

Da wussten wir noch nicht, was uns in Schottland erwartet!  

 

 

Am ersten Abend am Loch Lomond hatten wir keine Probleme, am zweiten ging es auch noch. Auf der Isle of Mull waren wir Abends in einem Pub und wunderten uns, dass keiner draußen sitzt. Nach kurzer Zeit wussten wir dann warum. Da hatte man allerdings nur 3-4 Plagegeister im Gesicht, also noch völlig harmlos. Am nächsten Abend standen wir am Wasser mit spektakulären Sonnenuntergang und wollten draußen grillen, allerdings waren die Viecher echt unerträglich, man hatte locker 30 Stück im Gesicht sitzen und an den Händen sowieso. Als wir gerade genervt unsere Sachen wieder einpacken wollten kamen Einheimische vorbei die uns den Tipp gaben, Farn oder auch Seegras aufs Lagerfeuer zu schmeißen, das hält sie fern. Und tatsächlich – wir saßen zwar im Qualm, aber hatten unsere Ruhe! Selbst am nächsten Tag hielten die Midges gebührend Abstand, aber auch nur, wenn man nicht duschen war sondern „Eau de Seegras“ trug  😁

 

 

Allerdings kamen die Midges durch jede Ritze in das Wohnmobil rein, und vor allem muss man ja beim Grillen auch öfter Dinge rein und raus tragen. Am Abend haben wir uns dann auf die Jagd gemacht und bestimmt 200 Midges erlegt. Als wir am nächsten Tag aufgestanden sind, waren wir trotzdem mit doll juckenden Bissen übersät. Besonders Mike wurde gepiesackt, der hat sich dann aber die Bisse leider auch blutig gekratzt. Den Grill hatten wir Nachts draußen stehen gelassen, schau die die ganzen Midges an, die daran kleben! Da war das Saubermachen ganz schön ekelig!

 

Am schlimmsten war es jedoch an der Sligachan Campsite, auf der wir 2015 schon waren. Diesmal wollte ich die berühmte Brücke dort fotografieren, was allerdings wirklich richtig richtig schwierig war. Fürs Foto muss ich ja leider auf den Sonnenuntergang warten, damit ich tolles Licht habe. Die Midges mögen scheinbar dieses Licht genau so sehr wie ich…als wir loszogen, schwirrten sie zwar um uns herum, aber es war erträglich dank des „Smidge“-Sprays, was uns andere Einheimische empfohlen haben. Das hält sie zwar nicht unbedingt auf Abstand, allerdings beißen sie dich nicht. Was das allerdings für eine Chemiekeule ist, möchte ich nicht wissen. Normalerweise nutze ich so etwas nicht, aber alles andere wäre keine Option gewesen.

 

 

Als ich dann am Wasser stand und eine Langzeitbelichtung von 30 Sekunden machen wollte (für dieses schöne fließende Wasser, HIER kannst du lesen wie man das macht) kamen die Biester in Scharen angeflogen! Sie setzten sich auf die Kamera, auf meinen ganzen Körper, klebten an meiner Brille und flogen sogar in meine Nasenlöcher! Jetzt beneidete ich definitiv die Leute mit diesem albernen Netzhut , die ich vorhin noch belächtet hatte.

 Sie können übrigens ihre Opfer in 200 Meter Entfernung ausmachen laut Wikipedia...

da wundert mich nichts mehr!

 

Was besonders nett war: Ich hatte am Neist Point mein Weitwinkel geschrottet (Sturz mit Stativ auf Asphalt, aaaauaaa!) hatte ich nur noch mein 50 mm Objektiv zur Verfügung. Das hieß also, ich musste 8 Bilder machen, um das gleiche Bild wie mit meinem 16-35 mm zu bekommen. Wohlgemerkt als LANGZEITBELICHTUNG! So musste ich also für ein Foto 8x 30 Sekunden belichten, da kommt Freude auf! Nicht.

 Das hieß also: Luft anhalten, Kamera einstellen, auf den Auslöser drücken und SCHNELL wegrennen! :-D und das 8x hintereinander, das sah bestimmt sehr witzig aus! Zwischendurch habe ich mich immer wieder mit dem Smidge  eingesprüht (Vorsicht: Brennt in den Augen!), so dass ich wenigstens nicht gebissen wurde. Allerdings klebten die überall, besonders zwischen den Fingern war ich schwarz. Ich wollte eigentlich für diesen Artikel auch ein Foto machen davon, aber ganz ehrlich, es ging einfach nicht 😁

 Ich war so froh als ich fertig war und bin nur noch weggerannt.

 

An diesem Abend haben wir im Wohnmobil bestimmt an die 500 Stück getötet. Am letzten Tag unser Reise haben wir übrigens entdeckt, dass die sogar durch die Dichtung an den Dachluken kommen. Deswegen hatten wir immer wieder welche im Wohnmobil.

 

Hier siehst du unsere Wohnmobil-Tür. Die haben wir auch extra mit Smidge eingesprüht, damit die Midges beim Türöffnen nicht direkt mit rein kommen.

 

 

Fazit

 

Man kann Glück haben, oder auch nicht.

 

Und vor allem: Lieber einen albernen Hut aufsetzen als hinterher wie ich dank tausenden Bissen wie ein pickeliger Teenager im Gesicht aussehen (Sorry an alle Teenager, ist nicht böse gemeint!) Aber Pickel jucken wenigstens nicht so  😁

 

Wir haben mit mehreren Einheimischen gesprochen und die erzählten, dass es so schlimm schon lange nicht mehr war. Das würde auch daran liegen, dass es seit 5 Wochen nicht geregnet hatte und wir auch keinerlei Wind hatten in den ganzen 3 Wochen.

 

Jedenfalls haben wir die Erfahrung gemacht, dass es ganz egal ist wo du dich befindest, ob im Wald, am Wasser oder auf einem hohen Berg, sie haben uns überall gepiesackt. Morgens ging es, Mittags haben sie sich verzogen und Abends war immer große Party angesagt.

 

Eine Nacht standen wir auf dem Quairang und da war es auch ganz besonders schlimm, so dass wir sogar den Leuten die mit dem Zelt dort waren aus Mitleid eine Flasche Smidge geschenkt haben.

 

 

Ich hoffe wir haben dir jetzt keine Angst gemacht und du freust dich trotzdem auf deinen Schottland-Urlaub! Lass ihn dir nicht vermiesen, decke dich mit Smidge  ein, sammel genügend Farn und setz dir einen lustigen Hut  auf (falls der Hut nicht reicht - es gibt auch einen Ganzkörper-Anzug) und hab Spaß!

 

 

 

Hast du auch schon Erfahrungen mit den Midges gemacht? Schreib es uns in die Kommentare!

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Katja | Hin-Fahren (Mittwoch, 08 August 2018 08:00)

    Hi Ihr Lieben,
    das hast Du wirklich super beschrieben. Wir haben in Schottland schon öfter Midges-Erfahrungen machen müssen. Einmal beim Grillen mussten wir sogar unser Fleisch wegschmeißen, da sich so viele auf das leckere Lammkottelet gesetzt haben, als es windstill wurde.
    Damals haben wir wenn es ging nur frei gestanden, was zu der Zeit nicht so einfach war. Im Norden fanden wir eine schöne Ecke, geschützt in einem toten Straßenabschnitt. Der Campingplatz gefiel uns nicht und war auch sehr teuer. Als wir wegfuhren grinste uns die Chefin hinterher, später wussten wir warum. Wir richteten uns auf dem tollen Freistehplatz (mitten im Moor) ein und freuten uns über die Aussicht. Dann hörte der Wind auf und sie kamen, in Massen, auch ins Auto. Wir haben dann doch auf dem Camping übernachtet, da war ein wenig Wind.
    Und ich erinnere mich noch gut an den Camping auf Skye, wo schon der Gang zum Waschhaus oder zum Pub mit einer Mutprobe durch Wolken von Viechern verbunden war, ;-)
    Sie kommen durch jede Ritze, auch vorne durch die Lüftung im Fahrzeug.
    Die Schotten bewandern und besuchen manche Regionen nur nach Jahreszeit, abhängig von den Midges. Und es gibt sogar eine gute App fürs Telefon.
    Danke für Eure Berichte und immer tollen Fotos.
    Katja

  • #2

    Claudia (Donnerstag, 09 August 2018 07:53)

    Oh Gott ihr Armen! Bei meinen Aufenthalten hatte ich wohl Glück. Zumindest waren sie nicht so beissfreudig wie bei Euch. Ganz wunderschöne Fotos :-) da möchte ich gleich losfahren. Liebe Grüße
    Claudia von www.gemueseliebelei.com